Durch seine Lage am Bosporus ist Istanbul ganz einzigartig. Seine Stadtfläche verteilt sich auf zwei Kontinente: Europa und Asien. Es gibt viele kulturelle Sehenswürdigkeiten, und man kann Ausflüge in die landschaftlich schöne Umgebung der Meerenge unternehmen. Doch am reizvollsten ist das Zusammentreffen von morgen- und abendländischen Einflüssen in alten Stadtteilen.

Die Stadt wurde bereits 666 v. Chr. gegründet und in der späten römischen Zeit unter dem Namen Konstantinopel zum "Zweiten Rom" erhoben. Nach dem Untergang des Römischen Imperiums wurde sie zur Hauptstadt des Byzantinischen Reiches und damit zum Kulturzentrum des östlichen Mittelmeers. Im Jahre 1453 diente sie nach der türkischen Eroberung des Byzanz unter dem neuen Namen "Istanbul" als Hauptstadt des aufsteigenden Osmanischen Reiches, das jahrhundertelang die Geschichte Europas und des Nahen Ostens bestimmt hat. Noch heute sieht man den historischen Einfluss von drei Weltreichen dem römischen, dem byzantinischen und dem osmanischen. Viele Baudenkmäler aus diesen Epochen sind uns erhalten geblieben.

Die schönste und preiswerteste Methode die Weltstadt zu erkunden, ist eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Straßenbahn. Eine Alternative bietet der Dolmush, das Gemeinschaftstaxi. Diese kleinen, chronisch überfüllte Kleinbusse küren die einfache Fahrt zum wahren Abenteuer: wer nicht sitzt, klammert sich in Folge des landesüblichen Fahrstils - krampfhaft an irgend jemandem oder irgendwo an um nicht hinauszufallen. Doch Vorsicht: alle Fahrzeuge haben nur ein Ziel. Sie steuern zum zentralen Busbahnhof "Topkapi". Dass es sich dabei nicht um den gleichnamigen Palast handelt, merkt man erst vor Ort.
Am billigsten sind öffentliche Busse. Für jede Strecke wird ein Einheitspreis gezahlt, ganz gleich ob es nur eine Station oder die ganze Linienfahrt ist. Die Fahrscheine können niemals beim Fahrer gelöst, sondern müssen an den Ticketschaltern von großen Busstationen im voraus erworben werden. Empfehlenswert ist ein kleiner Vorrat an Tickets immer dabei zu haben. Eingestiegen wird immer vorn um gleich das Ticket in eine kleine Box beim Fahrer hineinzustopfen. In Doppeldecker-Bussen müssen gleich zwei Tickets in die Box geworfen werden. Studenten können mit einem internationalen Studentenausweis für die Hälfte fahren.
Das Taxifahren ist in Istanbul recht billig. Allerdings passiert es recht häufig, dass Taxifahrer die Strecke sehr eigenwillig interpretieren. Wenn einer der Fahrer es zu toll treiben sollte, fährt man am besten gleich zur Polizei. Mehr noch: nicht jeder Fahrgast ist willkommen. Der Trick ist simpel: Einsteigen und erst dann das Ziel nennen. Stets sollte der Fahrer immer den Taxometer einschalten. In Istanbul gilt bis 24.00 Uhr der Tagespreis. Auf dem Taxometer steht dann "Gündüz"(=Tagespreis). Zwischen 24.00 und 6.00 Uhr gilt stets der doppelte "Gece"(=Nachtpreis).

Im europäischen Teil Istanbuls trennt das "Goldene Horn", ein Nebenfluss des Bosporus, die Altstadt von den Stadtteilen Galata und Beyoglu. Von der Galatabrücke hat man einen guten Blick auf die Meerenge und die asiatische Seite. Etwas weiter im Galata-Bezirk befindet sich die kuriose Tünel Tramway, eine Zugbahn, die durch einen Stollen auf den Galataberg zur Istiklal-Straße fährt (nur von 8.00 bis 21.00 Uhr). Diese Straße ist die Haupteinkaufsmeile Istanbuls. Abends, wenn die Altstadt wie ausgestorben scheint, steppt hier bis spät in die Nacht der türkische Bär. Auf dem Galataberg steht auch das leicht angestaubte Pera-Palast Hotel, wo Agatha Christie den "Orient Express" geschrieben hat.

Einkaufen kann man am besten auf dem "gedeckten Markt". Nach der völligen Zerstörung durch einen Brand wurde der Große Basar modernisiert. Rund 5.000 Verkaufsstellen sind dort nach Sparten unterteilt: Leder, Textilien, Gold- und Silberwaren, Antiquitäten und Teppiche. In jedem Fall sollte man im Handeln geschickt sein und den Wert der Waren richtig einschätzen können. Dann können auch durchaus günstige Schnäppchen gemacht werden. Öffnungszeiten: Mo. - Sa. 8.30 - 19.00 Uhr; Sonntags ist es geschlossen.

Nach der ermüdenden Einkaufstour über den Großen Basar sollte man unbedingt das Türkische Bad besuchen. Das Cemberlitas Hamami liegt gleich am Ausgang der Einkaufsmeile. Gegenüber der Konstantinsäule wurde das Bad bereits 1584 eingerichtet. Es setzt sich aus zwei getrennten Bereichen - dem Frauen- und dem Männertrakt zusammen, und hat 365 Tage im Jahr von 06.00 bis 24.00 Uhr geöffnet. Nur Mitte Januar schließt es für zwei Tage. Dann wird eine Szene für den neuen James-Bond-Film gedreht.
Von der Altstadt aus gelangt man per Schiff in den asiatischen Teil Istanbuls. An der Galatabrücke befindet sich der Bootsanleger Eminönü, von dem etwa halbstündlich Fähren (Vapur) u.a. nach Üsküdar oder Haydarpasa abfahren. Hier stehen auch mehrere Fressboote, mit Bratfischen und anderen Snacks. Andere Boote bieten Ausflüge auf dem Bosporus oder dem Marmarameer an. Während der Schifffahrt zeigen sich am Ufer gelegenen, aus Holz errichteten und mit verschiedenen Details ausgestatteten Häuschen, von denen jeder einzelne als ein kleiner Palast betrachtet werden kann. Diese Yali sind Villen aus der osmanischen Zeit, die von höheren Beamten und Aristokraten errichtet wurden. Das Jagdschloss des Sultans gehört ebenso wie die Sommerresidenzen von deutschen, italienischen, französischen und russischen Botschaftern zum Besichtigungsprogramm.
Zwangsläufig fährt man unter der Bogazici-Brücke, die Europa von Asien trennt. Sie sollte am besten zu Fuß überquert werden. Nach dem 15 minütigen Marsch bietet die Anhöhe "Camilica Hill" einen wunderbaren Blick auf den 12 Millionen Molloch.
Beginnen Sie Ihr Sightseeing möglichst früh am Tage, da besonders der versunkene Palast (Zisterne) und der Haremsbereich im Topkapi Serayi ´gen Mittag stark frequentiert sind. Empfehlenswert ist selbstverständlich der Besuch im Topkapi-Museum, der Schatzkammer mit dem berühmten Dolch und dem weitläufigen Küchentrakt. Im Sommer spielt vor dem Serayi die traditionsreiche Janitscharenkapelle, eine aus christlichen Kriegsgefangenen und ihren Nachkommen (bis 1826) bestehenden Kerntruppe des türkischen Sultans, mit Schellenbaum, Triangel, Becken und Trommel auf. Im Winter ist sie tagtäglich um 15.00 Uhr im sehenswerten Militärmuseum zu hören. Unbedingt sehenswert ist die Zisterne. Wer sie nicht kennt, sei auf den James-Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau" verwiesen. Auch die Sultan Ahmet die "Blaue" - Moschee, darf auf der Besichtigungstour genauso wenig wie die Hagia Sophia fehlen. Ein weiteres Muss der Besichtigungstour ist der Dolmahbace-Palast des ehemaligen Präsidenten Kemal Atatürk, wenn auch die Einrichtung oft ein wenig überfrachtet wirkt.

Ein Wort zur Sicherheit. Leider tragen in der Türkei sehr viele Menschen Schusswaffen. Wenn es irgendwo zu einer aggressiven Situation kommt, dann empfiehlt es sich Ruhe zu wahren und nicht den Helden spielen. Am besten sollte man schnell einen Polizisten suchen. In Istanbul gibt es eine spezielle Motorradpolizei. Sie werden "Yunus" (=Delphine) oder "Sahin" (=Falken) genannt. Sie sind zu zweit und tragen schwarze Overalls. Angehörige dieser Polizeitruppe verfügen über gute Fremsprachenkenntnisse und gelten als unbestechlich.

Anreise: Die Fülle von Pauschalangeboten macht ein spontanes und preiswertes Wochenende in Istanbul möglich. Vor allem türkische Reisebüros bieten Reisen zu oft günstigen Tarifen an. Für rund 300 Mark kann man Flug, Transfer zum Hotel, drei Übernachtungen mit Frühstück in einem Drei-Sterne-Hotel, Stadtrundfahrt einschl. Mittagessen, buchen. Vor dem Flug mit ISTANBUL AIRLINES wird allerdings dringend abgeraten. Der Service an Bord ist vollkommen indiskutabel und alle Beschwerden auf dem Boden sind sinnlos. Man sollte sorgfältig Preise und Leistungen vergleichen und unbedingt das Hotel vorher bestimmen. Selbst bei der Buchung eines Vier-Sterne-Hotels ist es ungewiss, wo man untergebracht wird. Ebenso ist zu beachten, dass die Anzahl der Sterne nicht notwendigerweise Aufschluss über die Qualität der Unterkunft gibt. Ist der Transfer vom Flughafen zum Hotel nicht inklusive, fahren Busse der türkischen Fluggesellschaft THY alle 30 Minuten vom Nationalen Terminal in die Innenstadt zum Preis von ca. 2 Mark. Die Taxifahrt kostet dagegen etwa 50 Mark. Zwischen dem internationalen und nationalen Flughafen verkehren laufend kostenlose Pendelbusse.

Einreise: Für Deutsche reicht ein Personalausweis, der mindestens drei Monate gültig sein muss.

Reisezeit: Im Sommer (Mai bis September) mildert oft kühle Luft die extreme Hitze. Im April und Mai wechselt sich regnerisches Wetter oft unvermittelt mit strahlendem Sonnenschein ab. Im Winter kann das Thermometer bis auf 5°C sinken.

Unterkunft: Günstige und zentral gelegene Hotels liegen rund um den Bahnhof (Sirkeci). Von dort aus sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bequem erreichbar.

Tip: Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr türkischer Tischnachbar für das gleiche Essen nur einen Bruchteil bezahlt. Der Touristen-Zuschlag wird gerade hier sehr großzügig ausgelegt. Einziges Gegenmittel: Ein paar Brocken Türkisch lernen und munter drauf los handeln. Natürlich freundlich und immer gelassen bleiben.

Weitere Infos zu Istanbul geben:
Informationsabteilung des Türkischen Generalkonsulats
Baseler Straße 37
60329 Frankfurt/M.
Tel. (0 69) 23 30 81 Fax (0 69) 23 27 51

Touristen-Auskunft Istanbul
Frau Hava Horoz
Mesrutiyet Cad. 57/6
Istanbul
Tel. (02 12) 2 45 68 75 oder 2 43 37 31
Fax (02 12) 2 52 43 46
 
 


 
 

© Alexej A.Tschernjak