NEW YORK - THE BIG APPLE

Hektik zwischen Hudson und East River


New York ist eine Stadt, die aus Träumen gebaut wurde, und die von Träumen gehalten wird. Ein Zentrum des Finanzwesens, der Kunst, der Medien, des Theaters und der Mode. Eine Stadt, die "niemals schläft". Eine Stadt, wo die Menschen gehetzt herumlaufen und keine Ruhe finden. Eine Stadt, mit sagenhaften Möglichkeiten und depressionstiefen Enttäuschungen. Ein Schmelztiegel verschiedener Nationalitäten. Eine liberale, demokratische und auch eine hässlich abstoßende Stadt.
New York ist immer eine Reise wert. Nur im Sommer sollte die Stadt gemieden werden. Die hohe Luftfeuchtigkeit macht die Hitze von mehr als 30 Grad Celsius unerträglich, ja beinahe zu einer Qual.

Einzigartige Sehenswürdigkeiten bestimmen das Stadtbild von New York: Sehenswürdigkeit Nummer 1 ist die Freiheitsstatue auf der Liberty Island. Im Sockel des 1886 eingeweihten Monuments befindet sich ein Museum, und wer 46 Meter hoch durch enge Wendeltreppen aufsteigt, kann den spärlichen Blick aus der Krone der Statue genießen - ein wahrlich zweifelhaftes Vergnügen. Auf die Insel selbst kommt man mit einer Fähre, die am Battery Park anlegt. Ratsam ist die Tour am frühen Morgen zu beginnen, etwa gegen halb neun. Dann wird die erste Überfahrt gemacht, die man unbedingt nehmen sollte, denn später wird die Statue von Touristenmassen im Nu überrannt. Bis zu drei Stunden muss dann in der Sonnenglut gewartet werden, um zur Krone aufsteigen zu kommen. Erholung finden kann man anschließend auf der Immigranteninsel Ellis Island. Eine gut gemachte Ausstellung führt alle Stationen vor, die die Neuankömmlinge von 1892 bis 1954 durchzulaufen hatten. Die Fähre kostet 7$ und schließt den Eintrittspreis für die Sehenswürdigkeiten der beiden Inseln ein.

In deren Sichtweite liegen die massiven Zwillingstürme des World Trade Center. Beide reichen bis zum 110 Stock (420 Meter). Turm 1 hat eine offen zugängliche Aussichtsplattform (verglast und auch an der frischen Luft) und lange Wartezeiten inklusive. In der 107. Etage des zweiten Turms liegt das exklusive, für 25 Millionen Dollar renoviertes Restaurant ‘Top on the World’. Ausgesuchte Speisen, eine besondere ‘Sky Box’, die ausschließlich Zigarrenrauchern vorbehalten ist und der faszinierende Weinkeller ‘Cellars in the Sky’ mit einer ‘200 bändigen Library’ laden zu einem ganz besonderen Abendessen ein. Die Preise sind astronomisch (etwa 100 US$ pro Person) hoch, doch die unverbaute Aussicht zu allen Seiten ist nicht nur himmlisch - sie ist einmalig schön. Auch Teppiche sind echte Kunstwerke. In einem Raum sind kleine Stadtkarten aller wichtigen Städte der Welt aufgedruckt, in einem anderen eine Große von New York, im dritten kann man Manhatten im Fußboden bewundern und zum Schluss ist das World Trade Center selbst topografiert.
Wichtig: Keine Shorts - nur Anzug und Krawatte berechtigen zum Eintritt.

In der Wall Street, dem Weltfinanzzentrum, ist neben der wichtigen (aber unansehnlichen) New York Stock Exchange-Börse das weit wichtigere Gebäude der Federal Reserve Bank, der amerikanischen Bundesbank, zu besichtigen. Tief unter der Erde liegen Goldbarren von 63 Staaten und können während einer Tour (vorherige Anmeldung ist notwendig) frei begutachtet werden.

In Midtown steht an erster Stelle das Empire State Building mit seiner Art-Deco-Eleganz. Das an der 5. Avenue und 34. Straße genau 102 Stockwerke hohes Bauwerk wurde 1931 auf dem Fundament des nicht weniger berühmten Waldorf=Astoria Hotel errichtet. Die Gesamthöhe liegt bei 443 Metern einschließlich Sendemast. Nachts sind die oberen Stockwerke beleuchtet und das berühmte Observatorium bis Mitternacht geöffnet. Die Aussicht ist weniger spektakulär als die vom World Trade Center, hat jedoch den Reiz ‘die Wolken vorüber ziehen zu sehen’.
Im Erdgeschoss kann Skyride, eine sehenswerte Show mit satirischen Einlagen auf einem simulierten Raumschifflug durch New York, erlebt werden.

Die glitzernden Lichter der 35 Show-Theater am Broadway verwandeln sich nachts in ein von Reklameschildern hell erleuchtetes Lichtermeer. Broadway wird selbst zur Show. Eine berühmte Bühne ist die Radio City Music Hall. Das Wahrzeichen des Broadways ist Heimstätte der Rokketts, jener langbeiniger hübscher Mädchen, die in eine Reihe gestellt die legendäre Chorus Line bilden. Jährlich werden in der Music Hall Weihnachts- und Ostervorstellung neu kreiert. Ein Mal muss man es gesehen haben; wenigstens bei einer der täglichen Führungen.

Von der 47. bis zur 52. Straße erstreckt sich westlich der 5. Avenue das Rockefeller Center. Es ist der größte, in Privatbesitz befindliche Geschäfts- und Unterhaltungskomplex der Welt. 19 Gebäude auf einer Fläche von ca. 10 Hektar bilden eine außergewöhnliche architektonische Einheit. Der Mittelpunkt ist die tiefer liegende Plaza. Im Sommer kann hier im Freien gegessen werden und im Winter wird Schlittschuh gelaufen.
Auf der 65. Etage sind die Rainbow Rooms wo täglich die sehenswerte Show ‘Rainbow & Stars’ zum Besten gegeben wird. Zwischen Wall-Street-Managern und anderen betuchten Bürgern schlendern Go-go-Girls mit Bauchladen im Stil der 20er Jahre, verkaufen Zigaretten und Stofftiere, Fotografen machen in 30 Minuten Hochglanzbilder zur Erinnerung, und, fast nebenbei, wird gute Unterhaltungsmusik von namhaften Sängern ‘zum Anfassen nahe’ zum Abendessen garniert. Die Qualität des Essens ist bescheiden (als Dessert sind die Flying Rocketts empfehlenswert), doch der nächtliche Abend wird zum Erlebnis amerikanischer Unterhaltung. Garantiert.

Keine Stadt reicht an New York wenn es ums Einkaufen geht. Hier findet man alles - von Discountgeschäften bis zu Designerboutiquen. Bloomingdale’s gehört dabei unumstritten auf die erste Stelle. Das Einkaufsparadies auf sechs Etagen hat zwar nicht alle Waren die man sich wünschen kann, und teuer ist es auch noch dazu, doch das USA typische ‘Der Kunde ist König’-Gefühl kommt hier am besten zu tragen.
Schon an der Eingangstür wird jeder Besucher vom Sicherheitspersonal persönlich begrüßt. Das Besucherzentrum stellt nach Wunsch eine Begleitung zur Verfügung, die dem Kunden in seiner Muttersprache beim Einkaufen hilft - und das vollkommen kostenlos. Die Beratung ist schlichtweg phantastisch. Selbst beim Kauf einer gewöhnlichen Jeans bemühen sich die Verkäufer um die bestmöglich Kombination, und sei es nur mit einem gewöhnlichen schwarzen T-Shirt. Und beim Verlassen des Bloomingdale’s wünschen die Sicherheitsleute einen wunderschönen Tag. Wunderful.

Am besten ist es, wenn man hungrig nach New York kommt. In der Stadt gibt es etwa 17.000 Restaurants und Imbißstuben. An jeder Straßenecke kann man in einem anderen Land speisen. Es heißt, in New York könne man 10 Jahre lang täglich essen, ohne jemals das gleiche Restaurant zweimal zu betreten.
Doch eins davon sollte man gleich zu Beginn der Reise aufsuchen. Das Bistro Trois Jean in der 145 East 79. Straße ist hinreißend und entzückend. Der französische Besitzer Emmanuel Guenot ist nicht nur ein geselliger und gesprächsfreudiger Wirt, sondern auch ein großartiger Koch. Zu guten Preisen kann dort ein Mittagessen eingenommen werden, und nebenbei das kurze Smalltalk mit den oberen Zehntausend der New Yorker High Society pflegen. Es lohnt sich.
Wer auf Touristenatmosphäre wert legt, sollte das Hard Rock Cafe aufsuchen. In der 221 West 57. Straße wird das typische New York Bild einer Metropole mit Herz und Prominenz geboten. Zu hohen Preisen wird gutes Essen in einer ungewöhnlichen Umgebung serviert. Ein Mal muss man es gesehen haben.

Die Stadt hat über 58.000 Hotelzimmer in jeder Preiskategorie und Ausstattung anzubieten. 1380 davon gehören dem Waldorf=Astoria Hotel. Zwischen der Lexington/Park Avenue und der 49. und 50. Straße liegt das Domizil in ruhiger Lage, jedoch nur ein Katzensprung von der 5. Avenue entfernt. Das Check-in-Personal spricht 60 verschiedene Sprachen. Die im Art- Deco gehaltenen Räume sind komfortabel und laden zum standesgemäßen Wohnen ein. In der Presidential Suite hat seit 1931 jeder Präsident der USA übernachtet, ebenso wie die Mitglieder der jordanischen, japanischen und britischen Königsfamilien. Obere Stockwerke sind den 500$ teueren Apartments für Geschäftsleute vorbehalten. Auf anderen Etagen sind die Zimmer günstiger - etwa 300$ die Nacht.
Wer einen Blick hinter die Kulissen des Hotels werfen möchte, kann das auf der historischen "Landmark Tour" tun. Während der einzigartigen Tour kann vom Keller bis zur Küche alles besichtigt - für 25 Dollar. Seine Entstehung verdankt das Waldorf-Astoria dem Familienzwist zwischen zwei Urenkeln des Deutsch-Amerikaners John Jacob Astor, der zu seiner Zeit der reichste Mann der USA war: Um seiner angesehenen Tante ein Schnippchen zu schlagen, errichtete William Waldorf Astor senior Ende des 19. Jahrhunderts das Waldorf Hotel - quasi im Garten seiner Tante. Die ließ sich nicht lumpen und baute nur einen halben Meter entfernt das Astor Hotel. Etwas später - nach einer Versöhnung - wurden die beiden Häuser durch die Peacock Alley verbunden, auf der die High Society wie Pfauen hin und her flanierte. Während das alte Waldorf-Astoria 1929 dem Empire State Building wich, begann der Bau eines neuen Grand Hotels mit 42 Stockwerken, 1401 Zimmern und den Waldorf Towers nördlich des Bahnhofs Grand Central Station. Für die Superreichen war die Lage des neuen Hotels ideal. Nun hatten sie direkten Zuganschluss und konnten in ihren privaten Salonwagen bis direkt unter das Hotel fahren. Dank des Geldadels fanden auch im neuen Waldorf-Astoria wieder rauschende Feste statt.

Angesichts der 2.500 Flugbewegungen am Tage ist es nicht einfach zu den Flughäfen zu gelangen. Die Straßen sind meistens verstopft, direkte Bahnverbindungen existieren nicht, die Terrorattentate haben die Sicherheitsüberprüfungen in unermeßlich lange Wartezeiten umschlagen lassen. Eine echte Alternative ist hier die Beförderung per Hubschrauber. Es ist zwar recht kostspielig (bis zu 1500 US$ für die Strecke Manhattan-Newark), doch absolut cool und praktisch: der Helikopter braucht nur wenige Minuten und landet direkt am Flieger.
Man kann ihn aber auch für einen Rundflug über Manhatten mieten. Ein kurzer Trip vom Heliport zur Freiheitsstatue kostet 44$, der große Rundflug über alle Sehenswürdigkeiten bis nach Harlem und Bronx ist für 150$ zu haben. Mein Tip: kurz von dem Sonnenuntergang fliegen - dann versinkt der Apfel in ein wunderschönes karminrotes Meer aus Sonne und Licht (212/465- 8905). Und zum Flughafen kommt man schon für 20$ mit dem Grey-Line-Airport-Service (212/397-2620). Man muss nur früh genug aufbrechen.


Informationen über New York sind beim Visitors Bureau zu bekommen
2 Columbus Circle
(212/397-8222)

Auch ein Ausflug nach Atlantic City lohnt sich.


Alexej A. Tschernjak